Heidelbeer-Wintereule
(Conistra vaccinii)
ArtenInfo
Ordnung Schmetterlinge
(Lepidoptera)
Familie Noctuidae
(Eulenfalter)
Größe Flügelspannweite
28 bis 38 mm
Raupen 34 mm lang
Verbreitung weite Teilen Europas,
Nordafrika, bis weit nach Osten
in die gemäßigten Gebiete Asiens

Aussehen
Die Färbung und Zeichnung der Heidelbeer-Wintereule sind außerordentlich variabel. Die Vorderflügel können von hellgrau und ockergelb über verschiedene Braun- und Rottöne bis zu sehr dunklem Rotbraun oder Schwarzbraun gefärbt sein. Häufig zeigen sie eine mehr oder weniger deutliche Marmorierung aus hellen und dunklen Querlinien. Bei manchen Exemplaren treten die Zeichnungselemente nur schwach hervor, während sie bei anderen sehr kontrastreich erscheinen. Besonders auffällig kann ein dunkler Punkt im unteren Bereich der nierenförmigen Zeichnung auf dem Vorderflügel sein. Die Hinterflügel sind meist deutlich schlichter und bräunlich gefärbt. Die Färbung der Raupe reicht von purpur- und rotbraun bis zu grünlich oder graubraun. Auf dem Rücken verlaufen mehrere undeutliche hellere Längslinien, während die Seiten heller erscheinen. Der Kopf ist bräunlich und fein gesprenkelt, die Atemöffnungen sind dunkel.

Lebensraum
Die Heidelbeer-Wintereule ist hinsichtlich ihres Lebensraumes ausgesprochen anpassungsfähig. Sie lebt vor allem in Laub- und Mischwäldern, kommt aber ebenso an Waldrändern, in Gebüschen, Heckenlandschaften, Heidegebieten und auf waldreichen Offenflächen vor. Auch Gärten, Parks und andere naturnahe Bereiche innerhalb von Siedlungen werden besiedelt. Dabei kann die Art sowohl trockene als auch feuchte Lebensräume nutzen. Besonders günstig sind Gebiete mit einer Mischung aus Gehölzen und niedrig wachsender Vegetation, die den Raupen eine große Auswahl an Nahrungspflanzen bietet.

Lebensweise
Die Heidelbeer-Wintereule gehört zu den sogenannten Wintereulen, da sie als erwachsener Falter die kalte Jahreszeit übersteht. Die Flugzeit beginnt meist im Spätsommer oder Frühherbst und reicht je nach Witterung bis in das Frühjahr. Im Herbst sind die Falter besonders zahlreich zu beobachten. Während einer milden Wetterperiode können sie auch mitten im Winter aktiv werden. Die eigentliche Winterruhe ist daher keine starre Ruhephase. Bei ausreichend milden Temperaturen können die Tiere ihre Aktivität wieder aufnehmen. Die Falter sind überwiegend nachtaktiv und lassen sich an künstlichen Lichtquellen beobachten. Auch Köder werden gerne angenommen. Im Frühjahr findet die Paarung statt, anschließend werden die Eier an geeigneten Pflanzen abgelegt. Die Raupen entwickeln sich vor allem im Frühjahr und Frühsommer. Nach Abschluss ihrer Entwicklung verpuppen sie sich im Boden, wo die Puppe eine Zeit lang in einem schützenden Gespinst verbleibt.

Nahrung
Die Raupen sind wenig wählerisch und ernähren sich von einer großen Zahl verschiedener Pflanzen. Zu den Nahrungspflanzen gehören zahlreiche Laubgehölze wie Eichen, Birken, Pappeln, Linden, Ahorne, Weiden, Hainbuchen, Schlehen und andere Sträucher. Auch Heidelbeere, Brombeere und Besenheide werden genutzt. Während die jüngeren Raupen überwiegend an Gehölzen fressen, können ältere Raupen zunehmend auf krautige Pflanzen wechseln. Nachgewiesen sind unter anderem verschiedene Ampferarten und weitere krautige Pflanzen. Die erwachsenen Falter können im Herbst und während milder Winterperioden zuckerhaltige Nahrung aufnehmen. Sie besuchen beispielsweise überreife Früchte und austretende Pflanzensäfte. Auch blühender Efeu kann als Nahrungsquelle dienen.

Sonstiges
Die Heidelbeer-Wintereule ist eine bemerkenswert robuste Art, die auch bei niedrigen Temperaturen aktiv werden kann. Dadurch gehört sie zu den Nachtfaltern, die selbst in den Wintermonaten beobachtet werden können. Ihre enorme Variabilität in Färbung und Zeichnung hat dazu geführt, dass früher zahlreiche unterschiedliche Formen unterschieden wurden. Der wissenschaftliche Artname vaccinii nimmt Bezug auf die Heidelbeere, eine der Nahrungspflanzen der Raupe. Trotz ihres deutschen Namens ist die Heidelbeere jedoch keineswegs die einzige oder wichtigste Nahrungspflanze der Art, denn die Raupen sind ausgesprochen polyphag. Eine weitere Besonderheit ist der Wechsel der Lebensweise im Jahresverlauf: Während die Raupe im Frühjahr an Pflanzen frisst und sich anschließend verpuppt, verbringt der ausgewachsene Falter den Winter und kann bereits in dieser Jahreszeit bei mildem Wetter wieder aktiv werden. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung und der Nutzung zahlreicher unterschiedlicher Lebensräume gilt die Art in Deutschland als ungefährdet.

www.naturspektrum.de | Seite | 1

 

Heidelbeer-Wintereule (Conistra vaccinii)
 
 
 
 
 
 
 
www.naturspektrum.de | Seite | 2